„Über den Lebensstandard entscheidet nicht mehr nur die Höhe des Einkommens, immer wichtiger werden die Fragen, wie viel Geld eine Person fürs Wohnen ausgeben muss und wie viel Geld darüber hinaus noch übrigbleibt“. Das ist das Ergebnis der aktuellen Expertise „Wohnen macht arm“ des Paritätischen Wohlfahrtsbands. Auf Grundlage der Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden die Einkommen um die Wohnkosten bereinigt und so eine Wohnarmuts-Grenze ermittelt.
Die Berücksichtigung der Mietausgaben macht ein bisher unsichtbares Ausmaß der Armut sichtbar.
Die Armutsschwelle wird nach einem gängigen Verfahren ermittelt, wonach Armut definiert wird als ein Einkommen von weniger als 60 % des mittleren Einkommens in Deutschland. Das Ergebnis ist schockierend: „Durch die Berücksichtigung von Wohnkosten wird eine bislang unsichtbare Gruppe von 5,4 Millionen Menschen sichtbar, die an und unter der Armutsgrenze lebt. Nicht 12,1 Millionen, sondern 17,5 Millionen Menschen müssen demnach als arm gelten.“ Armutsbetroffene geben durchschnittlich 45,8% ihres ohnehin niedrigen Einkommens für die Wohnkosten aus, während die nicht von Armut betroffene Menschen „nur“ 21,8% ihres Einkommens dafür ausgeben.
Der Bericht weist auf weitere Folgen der ansteigenden Mieten hin. Die Kündigung einer Wohnung wird für viele Menschen zu einem finanziellen Desaster. Oder ist ein Arbeitsplatzwechsel notwendig, kann eine passende Wohnung zur finanziellen Überlastung führen. Von der wohnkostenbereinigten Armut sind besonders betroffen Erwerbslose (60%), Alleinerziehende (36%), junge Erwachsene (31%), Rentner*innen (27,1%) und alleinlebende Senior*innen (40%).
Mietbelastungsquote in Darmstadt
Die letzten verfügbaren Daten zur Mietbelastungsquote in Darmstadt sind für 2018 veröffentlicht worden. Bereits in diesem Jahr war die durchschnittliche Mietbelastungsquote verhältnismäßig hoch und lag bei 33,6 %. Aber 38 Prozent aller Haushalte in Darmstadt hatten bereits eine Mietbelastungsquote von mehr als 40 % und sogar 21 % der Darmstädter Miethaushalte mussten mehr als 50 % ihres Einkommens für die Miete aufbringen. Die Mietbelastungsquote gibt an, welcher Anteil des Einkommens für Miete und Nebenkosten aufgewendet wird. Eine hohe Quote bedeutet, dass Mieter einen großen Teil ihres Einkommens für die Miete ausgeben müssen.
Die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter in Darmstadt lag im Jahr 2019 bei 12,74 € und stieg bis zum dritten Quartal 2025 auf 15,03 € pro Quadratmeter, um etwa 18 %. Viele Menschen können nicht in eine billigere Wohnung ziehen, weil sie nicht die einzigen sind, die nach einer günstigeren Wohnung suchen bzw. weil diese schlicht nicht vorhanden sind. Deshalb haben sie weniger Geld im Monat, auch wenn ihr Einkommen nur im durchschnittlichen (geringen) Maße steigt. Geringverdiener treffen die steigenden Wohnkosten in viel stärkerem Maße als „Gutverdiener“.
Fazit: Die steigenden Wohnkosten verschärfen immens die soziale Ungleichheit in Deutschland.