Streikbereit - nicht kriegstüchtig

Abgesagter Antikriegstag findet unter anderem Vorzeichen statt
R. Raika

Die für den 1.9.geplante Kundgebung zum Antikriegstag wurde abgesagt - und fand trotzdem statt.

Groß war die Verwirrung als am 28.8. die Nachricht verbreitet wurde, dass es zum Antikriegstag dieses Jahr keine Veranstaltung geben sollte. Am 1.September 1939 überfiel Nazi-Deutschland Polen und das war der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Als Erinnerung an diesen Tag und als Gedenken an die 50 Millionen Toten des Krieges gab es auch in Darmstadt in wechselnder Besetzung schon seit vielen Jahren Aktionen zum Antikriegstag 

Doch dieses Jahr lief es nicht wie gewünscht. Trotz einer langen Vorbereitungsphase wurde wenige Tage vor dem 1.September klar: Es hakte an allen Ecken und Enden. Flyer und Plakate wurden nicht rechtzeitig fertig, ein LKW, der als Bühne genutzt werden sollte war kaputt und mehrere Menschen, die bei der Durchführung der Veranstaltung eine wichtige Rolle übernehmen wollten, wurden krank. So entschied sich der Vorbereitungskreis einvernehmlich, dieses Jahr den Antikriegstag ausfallen zu lassen. Stattdessen wurde zur Teilnahme an einer Demonstration in Wiesbaden aufgerufen. Außerdem sollte es von den an der Vorbereitung beteiligten Gruppen Infostände auf dem Marktplatz geben.

Bei der ver.di Jugend, die an den Vorbereitungen nur am Rande beteiligt war, stieß diese Entscheidung auf Unverständnis und sie wollte sich damit nicht abfinden. Der Vorstand der ver.di Jugend Südhessen beschloss den Antikriegstag in eigener Regie durchzuführen und meldete eine eigene Kundgebung an. Für den gleichen Ort und die gleiche Zeit wie die abgesagte Veranstaltung. Schnell fanden sich innerhalb des ver.di-Spektrums andere Gruppen, die dieses Vorgehen unterstützten. So der ver.di Ortsverein und die AG Frieden des Vertrauensleuteauschusses. Als Motto der Veranstaltung wurde der Slogan „Streikbereit statt kriegstüchtig“ gewählt.

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Der Krieg, der kommen wird
Ist nicht der erste. Vor ihm
Waren andere Kriege.
Als der letzte vorüber war
Gab es Sieger und Besiegte.
Bei den Besiegten das niedere Volk 
Hungerte. Bei den Siegern 
hungerte das niedere Volk auch.
                                               Bertolt Brecht (Svendborger Gedichte, Deutsche Kriegsfibel)
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Am Antikriegstag selbst war dann nicht nur ver.di vor Ort. Viele Gruppen und Parteien, die an der Vorbereitung der ursprünglichen Veranstaltung beteiligt waren, hatten Infostände aufgebaut. Reden gab es vom Bezirksvorstand Südhessen der ver.di Jugend, von der AG Frieden und von einem Vertreter des Schulstreikkomitees, der sich gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht aussprach. Ein ver.di Vertrauensmann der TU Darmstadt berichtete über die Angriffe auf die Zivilklausel an Universitäten, die eine Forschung für die Rüstung ausschließen soll. Spontan ergriff ein Vertrauensmann der IG Metall aus einem Darmstädter Betrieb das Wort und schilderte die Auswirkungen der Militarisierung im Metallbereich. Er hat auf den Aktionstag der IGM am 21. September hingewiesen: An dem Tag wird die IGM bundesweit in Betrieben Aktionen gegen die verschärften Angriffe der Gegenseiten organisieren. 
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DIE OBEREN SAGEN:
Es geht in den Ruhm.
Die unteren sagen: 
Es geht ins Grab
                         Bertolt Brecht (Svendborger Gedichte, Deutsche Kriegsfibel)
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In den Reden standen stets die Interessen der abhängig Beschäftigten im Mittelpunkt, die die Aufrüstung nicht nur durch Sozialabbau und der Einschränkung ihrer Rechte, sondern im Ernstfall auch mit ihrem Leben bezahlen müssen. Die Reden waren kurz und prägnant, so dass ihnen gut zugehört werden konnte. Zwischen den Reden wurden kurze Gedichte von Bert Brecht vorgetragen, in denen der Krieg ebenfalls von einem Klassenstandpunkt aus betrachtet wurde. 

Trotz der Verwirrung und der sehr kurzen Vorbereitungszeit kamen mindestens 100 evtl. auch 150 Menschen zur Kundgebung. Die Resonanz war durchweg positiv. Eine Teilnehmerin sagte, das sei der beste Antikriegstag den sie bisher mitgemacht habe.

 

04.09.2026