Grundschulen: Protestest gegen ungenügende Bezahlung und steigende Anforderungen

Das Schulamt empfiehlt: Gehen Sie zum Schulpsychologen
Reinhard Raika / Sabine Joa

Würden Grundschullehrer*innen in Hessen so viel verdienen wie die Lehrkräfte an anderen Schulformen, hätten sie schon am 13. November das verdient was sie jetzt im ganzen Jahr verdienen. In jedem Jahr ist der 13. November also derjenige Tag, an dem die Bezahlung der Grundschullehrkräfte im Vergleich zu allen anderen Lehrämtern in Hessen endet!  Deshalb rief die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auch dieses Jahr zu Aktionen auf, um der Forderung nach gleicher Bezahlung Nachdruck zu verleihen. In Darmstadt versammelten sich etwa 120 Lehrer*innen vor dem Regierungspräsidium, um die Forderung nach „A13 – für Alle“ zu unterstützen.

Grundschulen: Längere Arbeitszeit, gestiegene Anforderungen und weniger Geld

Lehrende an Grundschulen erhalten als einzige die Besoldungsgruppe A12, während alle anderen nach A13 bezahlt werden. Als schwaches Argument gilt die um zwei Semester kürzere Studienzeit. Doch müssen sie im Vergleich mit den Lehrkräften anderer Schulformen bis zu vier Stunden länger unterrichten und die Anforderungen steigen: An Grundschulen werden gesellschaftliche Defizite besonders spürbar und erhöhen den Aufwand der Lehrer*innen spürbar. Zehn Grundschulen haben Überlastungsanzeigen an das Kultusministerium geschickt, um ihren Aufwand zu dokumentieren und auf die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken hinzuweisen. Das Schulamt empfiehlt den Lehrkräften, die Hilfe von Schulpsychologen und Fachkräften anzunehmen. (DE 8.11.2019) Statt echter Entlastung soll es also nur etwas Trost geben. Aber auch das wird kaum klappen, da der schulpsychologische Dienst selbst durch steigende Betreuungen von Kindern überlastet ist.

Die geringere Bezahlung an Grundschulen ist auch Ausdruck der weitverbreiteten Entgeltlücke bei weiblichen Arbeitskräften. Die überwiegende Zahl der Grundschullehrer*innen ist nämlich weiblich.

Mittlerweile gibt es allerdings sieben Bundesländer, in denen auch für Lehrkräfte an Grundschulen A13 bezahlt wird. Hessen ist in dieser Hinsicht Schlusslicht.

Im Folgenden dokumentieren wir die Rede von Sabine Joa, GEW und Mitglied des Gesamtpersonalrats auf der Kundgebung vom 13.11.2019. Die Rede gibt einen guten Eindruck von den gestiegenen Anforderungen an die Lehrkräfte und liefert viele Argumente für eine Höhergruppierung nach A13.

13.11.2019