Die Verjüngung des 1.Mai

Mehr Teilnehmende als in den letzten Jahren
R. Raika

„Pünktlich zum internationalen Kampftag der Arbeiterklasse hat die NGO Oxfam den weltumspannenden Widerspruch von Kapital und Arbeit abermals empirisch untermauert: »Während die Spitzengehälter seit 2019 um 54 Prozent in die Höhe geschnellt sind, verzeichnen die Reallöhne von Beschäftigen einen Rückgang um 12 Prozent.« Reich wird reicher, arm wird ärmer: Erstere gewinnen – vorerst – den Klassenkampf.“ (junge welt, 2.Mai 2026)

Um gegen diese Entwicklung vorzugehen, mobilisierte der DGB und seine Einzelgewerkschaften wie jedes Jahr auch in Darmstadt zu den Kundgebungen am 1.Mai. Alle Anwesenden waren sich einig, dass dieses Jahr mehr Menschen an der Demonstration teilgenommen hatten als in den vergangenen Jahren. Auffällig war vor allem die Teilnahme vieler junger Menschen. War der 1.Mai früher eher ein Treffen alter Bekannter, so gab es diesmal deutlich mehr junge Gesichter. Die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die israelische Kriegsführung in Gaza sowie das Schweigen der Bundesregierung hierzu haben bei einem Teil der Jugend zu einer Politisierung geführt. Aber auch die Wirtschaftskrise und die Kürzungspolitik der Regierung im Sozialbereich verdüstert die Berufsperspektiven gerade junger Menschen.

Das waren denn auch die Themen, die immer wieder in den Parolen des „Jugendblocks“ gerufen wurden. Dieser Block führte die Demonstration an und sorgte für eine lebendige und kämpferische Atmosphäre. Unter anderem die Parolen „Hoch mit den Löhnen -runter mit den Mieten“, „Krieg dem Krieg“, „Free Palestine“ war aus dieser Gruppe zu hören. 

Kämpferisch wurde der Demonstrationszug auch am Marktplatz empfangen. Es wurde ein altes Stück der legendären Gruppe „Ton, Steine, Scherben“ gespielt, mit der Zeile „Wir brauchen keine Fabrikbesitzer, die Fabriken gehören uns“.

Die Gewerkschaftsjugend eröffnete auch die Kundgebung. Jugendliche der IG Metall, der IG BCE und von ver.di stellten die Probleme der Jugend dar und prangerten allgemeine gesellschaftliche Missstände an. Die Vertreterin der ver.di Jugend stellte auch einen Zusammenhang her zwischen den Sozialkürzungen einerseits und den steigenden Ausgaben für die Rüstung. Das war die einzige Rede, in der dieses Thema zur Sprache gebracht wurde.

Der 2. Bevollmächtigter IG Metall Darmstadt, Tom Kehrbaum, kritisierte in seiner langen Rede immer wieder  den Stellenabbau in der Industrie und soziale Ungleichheit in Deutschland, die durch die aktuellen Pläne der Bundesregierung noch verschärft würden. Allerdings fehlten Überlegungen dazu, was die Gewerkschaften unternehmen könnten, um Kapital und Regierung zu einer Änderung ihrer Position zu zwingen.

Gegen Ende berichteten dann noch gewerkschaftlich Aktive u.a. von der Telekom, Akasol und den Südhessen Kliniken (dem Zusammenschluss des Elisabethenstifts mit dem Klinikum Darmstadt) über ihre betriebliche Praxis. Hier wurde gewerkschaftliches Engagement im Betrieb konkret und anschaulich.  

06.05.2026