Teilverkauf des Opel-Entwicklungszentrums

Belegschaft stellt sich quer

Als im Sommer letzten Jahres der französische Automobilkonzern PSA von General Motors das Unternehmen Opel übernahm, versprach PSA-Chef Carlos Tavares den Beschäftigten, dass alles beim Alten bleiben könne. Voraussetzung sei allerdings, dass die Effizienz der Opel-Betriebe gesteigert werde. Dazu wurde ein umfassendes Sanierungsprogramm beschlossen mit dem Abbau von 3700 Arbeitsplätzen und der Aussetzung von tariflichen Lohnerhöhungen. Im Gegenzug soll es bis zum 31.7.2023 keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Doch reichen diese Maßnahmen dem Opel-Management nicht aus, um die gewünschte Rendite zu erwirtschaften. Deshalb wird jetzt geplant, Teile des Opel-Entwicklungszentrums zu verkaufen. Betroffen davon wären 2000 Beschäftigte. Doch gegen diesen Plan regt sich Widerstand in der Belegschaft. So wandte sich die Vollversammlung der Opel-Vertrauensleute der IG Metall gegen den Verkauf. Im Folgenden dokumentieren wir die Resolution:

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Resolution der Vollversammlung zur aktuellen Lage

Wir wollen keinen Verkauf an Segula

Verkaufspläne waren und sind ein Schock für die Opel-Belegschaft

Als die Verkaufsabsichten für wesentliche Bestandteile des Opel-Entwicklungszentrums bekannt wurden, war das ein Schock für die Belegschaft. Vom Verkauf sind nahezu alle Bereiche des ITEZ betroffen. Insgesamt rund 2.000 Kolleginnen und Kollegen sollen nach dem Willen des Managements Opel verlassen und künftig für den weitgehend unbekannten französischen Entwicklungsdienstleister Segula arbeiten.

Neben vielen individuellen Fragen, die jeden Einzelnen als potentiell Betroffenen umtreiben, ist für jeden Opel-Beschäftigten klar: Durch einen derartigen Verkauf würde Opel aufhören ein eigenständiger Automobilist zu sein, der in der Lage ist Gesamtfahrzeuge zu entwickeln.

Handlungsfähiges ITEZ ist Voraussetzung, um im Wettbewerb zu bestehen…

Gerade diese Fähigkeit ist es, um die IG Metall, Betriebsrat und Belegschaft im GM-Konzern lange Jahre gekämpft haben. Denn was zu GM-Zeiten galt ist heute mindestens genauso wichtig und richtig: Opel kann als Marke im Markt nur bestehen, wenn Innovation, Qualität, Technik und Technologie, Design und Fahreigenschaften und für den Kunden spürbare Eigenschaften wie Chassis, Motorabstimmung, Schaltbarkeit, Ansprech- und Lenkverhalten oder Design von Karosserie und Innenraum den Anforderungen an eine deutsche Marke entsprechen. Dazu gehört auch Opel zukunftsfähig zu machen und bei Themen wie alternativen Antriebstechnologien, autonomen Fahren oder neuen Mobilitätskonzepten nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Das wiederum ist ohne ein handlungsfähiges ITEZ, das über die hierfür notwendigen Fähigkeiten und Assets verfügt, nicht möglich.

… und den Wandel der Automobilindustrie zu meistern

Diese Voraussetzung hatten IG Metall und Gesamtbetriebsrat im Hinterkopf, als im Zuge des Übergangs von GM zu PSA im entsprechenden Engineering-Tarifvertrag die Projektzusagen von GM durchgesetzt und festgeschrieben wurden. Diese Zusagen sollten helfen Zeit zu gewinnen, um das ITEZ auf die Anforderungen einer sich wandelnden Automobilindustrie vorzubereiten: Elektrifizierung, Digitalisierung und autonomes Fahren. Die derzeitige Unternehmenspolitik indes spiegelt diesen Ansatz nicht wieder; der Auslauf von GM-Projekten darf nicht als Legitimation für den Teilverkauf des ITEZ dienen.

Wir wollen keinen Verkauf

Daher ist eines klar: Wir wollen den Teilverkauf des ITEZ an Segula nicht. Denn vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Herausforderungen muss Opel jederzeit Zugriff auf eigene Entwicklungskapazitäten haben. Gleichwohl gibt es in einigen Bereichen der Entwicklung Auslastungsprobleme, die mit dem Wegfall der GM-Projekte zunehmen werden. IG Metall und- Betriebsrat haben immer gefordert, diesen Problemen nicht mit einem Verkauf zu begegnen, sondern mit alternativen Konzepten. Dazu gehören für uns echte strategische Partnerschaften mit Entwicklungsdienstleistern, Joint Ventures oder die Akquise von externem Geschäft. Mit anderen Worten: Derlei Auslastungsprobleme sind nicht zwangsläufig. Ihnen kann begegnet werden, wenn der Wille dazu vorhanden ist. Ein Verkauf ist aus unserer Sicht nicht notwendig.

Sicherheitsnetz für den Verkaufsfall

Gleichwohl ist es die Aufgabe von IG Metall und Betriebsrat auf der handwerklichen Ebene gewappnet zu sein und ein entsprechendes Sicherheitsnetz zu spannen, wenn der vom PSA- und Opel-Management angestrebte Verkauf an Segula nicht zu verhindern sein sollte. Das sind sie den betroffenen Kolleginnen und Kollegen schuldig, so denn diese sich für Segula entscheiden sollten. Zu diesem Netz gehören ein Rückkehrrecht, der Eintritt von Segula in den Arbeitgeberverband, die Übernahme und Einhaltung aller bestehenden Opel-Tarifverträge inklusive des Kündigungsschutzes bis 2023, der Abschluss einer Mitbestimmungsvereinbarung und die Übernahme aller bei Opel gültigen Betriebsvereinbarungen.

Gemeinsam sind wir stark

Angesichts der vor uns liegenden Herausforderungen und Bedrohungen ist es nun umso wichtiger zusammen zu stehen, zusammen zu halten und sich in der IG Metall zusammen zu schließen. Den Behauptungen des Managements müssen wir entgegensetzen: Ein Verkauf ist nicht alternativlos, Arbeit gibt es innerhalb und außerhalb des Konzerns genug und Opel ohne ein vollständiges Entwicklungszentrum kann nicht erfolgreich sein.

01.11.2018